Medienempfehlung vom Bibliotheksteam:
„Pina fällt aus“ von Vera Zischke
In dem Roman geht es um die alleinerziehende, berufstätige Mutter Pina und ihren erwachsenen, autistischen Sohn Leo, der tagsüber in einer Behindertenwerkstatt arbeitet. Sein größter Wunsch ist es, später Busfahrer zu werden.
Nachdem Pina plötzlich ins Krankenhaus muss, ist niemand da, der auf Leo achtgibt. Die Nachbarschaft ist alarmiert: die ältere Dame Inge, die schon häufiger auf ihn aufgepasst hat, sucht sich als Unterstützung die minderjährige Schulverweigerin Zola, die voller Wut auf die ganze Welt ist, und Wojtek, den einsamen Eigenbrödler. Was für eine schräge Hausgemeinschaft mit überzeichneten Protagonisten!
Nach anfänglichem Schock raffen sich diese drei zusammen und kümmern sich um Leo als Rettungsnetz. Sie wachsen zu einer „Familie“ zusammen und jeder dabei über sich hinaus.
Dieses Buch ist etwas ganz Besonderes – jedenfalls für mich. Es hat mich sehr berührt und nicht mehr losgelassen. Es handelt von tiefgründigen Themen wie Überforderung, Verantwortung und was Pflege im Alltag bedeutet.
Das alles kommt jedoch nicht nur schwermütig, sondern auch leicht und hoffnungsfroh daher. Immer wieder stellt die Autorin komische Situationen in den Fokus, so dass Lachen und Weinen nah beieinander liegen. Dieses Buch ist wahrhaftig, die realistische Darstellung bricht immer wieder durch und verhindert so eine Weichzeichnung. Unweigerlich reflektiert man den eigenen Umgang mit beeinträchtigten Menschen.
Am Ende kommt es dann noch zu einem Showdown, in dem eine Busfahrt eskaliert.
Dieser Roman ist nach „Ava liebt noch“ der zweite von Vera Zischke und ebenfalls im List Verlag bei Ullstein erschienen. Die 1980 im Rheinland geborene Autorin ist Mutter eines autistischen Kindes.
Annett Dreher




